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Konzept der Studie

5. Methode


Die angestrebte Studie wird sich – wie bei anthropologischen Untersuchungen üblich – auf die zwei Bereiche Literaturstudium und Feldforschung aufteilen.
Beim Literaturstudium soll sich auf die folgenden Gegenstandsbereiche konzentriert werden:

a. Geschichte und Politik Lateinamerikas und der betreffenden Länder im Speziellen (politik- und geschichtswissenschaftliche Werke)

c. Reisen in Lateinamerika (Erfahrungsberichte, Reiseberichte, Reiseliteratur)

d. Kulturwissenschaftliche Forschungen zu Lateinamerika und den betreffenden Ländern im Speziellen (anthropologische, soziologische und kulturwissenschaftliche Werke)

e. Leben und Kultur in Lateinamerika – im Speziellen in Zusammenhang mit Reisebewegungen und Politikentwicklungen in Lateinamerika (literarische Werke / Romane / Erzählungen / lyrische Werke etc.)

f. Tourismus- und Reiseanthropologie (tourismusanthropologische Werke)

Eine essentielle Bedeutung für die angestrebte Studie hat die Feldforschung, im Zuge derer über die Anwendung der unterschiedlichen anthropologischen Methoden wichtige Erkenntnisse erwartet werden.
Im folgenden sollen nun die einzelnen Methoden der Feldforschung benannt und erläutert sein. Dabei handelt es sich zum Teil um klassische Feldforschungsmethoden, aber zu einem großen Teil eben auch um methodische Neuerungen bzw. Extensionen, die mir speziell für das bearbeitete Thema als aus wissenschaftlicher Sicht überaus gewinnbringend erscheinen.
Um die unter dem Punkt „Fragestellungen“ aufgeführten Fragen dem Anspruch der Arbeit entsprechend beantworten zu können und dabei Aufwand und Nutzen in optimaler Waage zu halten, wird die Feldforschung in vier „Strategien“ unterteilt:

1. Datengewinnung auf Distanz
2. Erkenntniskooperation
3. Datengewinnung im Feld

1. Datengewinnung auf Distanz

Die geografische Ausdehnung des Raumes, in dem die Forschung durchgeführt werden soll, erfordert es, Daten auch auf Distanz zum Untersuchungsobjekt zu generieren. Hierfür bieten moderne Kommunikationstechnologien die optimale Umsetzungsgrundlage. Kern dieser Strategie ist dementsprechend eine Internetplattform, über die es möglich sein wird, Direkt mit den „Protagonisten“1 der Forschungen zu kommunizieren. So werden auf dieser Plattform Internetfragebögen zur Verfügung gestellt, die je nach Herkunft des Protagonisten und dessen Position im System des politischen Tourismus in Lateinamerika variieren. Über diese Internetfragebögen wird es möglich sein, schnell und ohne großen Zeit- und Kostenaufwand Daten zu generieren, die eine Grundlage zur anthropologischen Interpretation bieten.
Zudem wird es über moderne Kommunikationstechnologien wie beispielsweise „Skype“ und „Facebook“ möglich sein, solche Telefoninterviews mit den Protagonisten unabhängig von ihrem Standort durchzuführen, die in ihrer Durchführung bzw. in ihrem Nutzen an klassische Interviews im Feld angelehnt sind.
Des weiteren bieten neue Internettechnologien auch die Möglichkeit, Protagonisten ausfindig zu machen. Die unterschiedlichen Suchfunktionen im Internet und die daraus entstehenden Kontaktaufnahmemöglichkeiten mit potentiellen „Untersuchungsobjekten“ erleichtern die Schaffung eines Gesamtüberblicks über alle am Phänomen teilhabenden und teilnehmenden Personengruppen.

2. Erkenntniskooperation

Das Prinzip der Erkenntniskooperation zielt auf die aktive Beteiligung der Protagonisten an der Forschung, sowie auf die Teilhabe von Wissenschaftlern, die sich ebenfalls mit dem Wissenschaftsfeld des Tourismus bzw. des politischen Reisens beschäftigen.
Auch bei dieser Strategie nimmt die besagte Internetplattform eine zentrale Stellung ein. So werden ehemalige oder aktuell politisch Reisende die Möglichkeit bekommen, Gedanken, Berichte und eigene Analysen zu ihren Reisen in Form von Artikeln zu veröffentlichen.
Im Zuge der Voruntersuchungen, der Erstellung dieses Exposés vorgelagert, konnte in Gesprächen mit Protagonisten über die eigene politische Reisepraxis festgestellt werden, dass ein großes Interesse an Selbstreflexion besteht, was wiederum oft dazu führte, dass bei einigen der Wunsch entstand, sich zum zum Thema tiefer gehend zu äußern und die Ergebnisse der Selbstreflexion in eigenen Texten zu verarbeiten.
Zudem gibt es die politische Reisepraxis naturgemäß vor, dass die Protagonisten vielerlei Formen von Texten verfassen, was dem Sendungsbewusstsein von politischen Gruppierungen entspricht. So werden eine Vielzahl von Reporten, Nachrichtentexten und E-Mail-Newslettern produziert, die einen Einblick in die politische Praxis, die Kognitionen des Akteurs vor Ort und die Strategien zur Ingangsetzung eines politischen Transformationsprozesses ermöglichen.
Ziel des Einbezugs der Protagonisten ist also deren möglichst weitgehende aktive Beteiligung an der Studie durch die Sammlung und Veröffentlichung der von ihnen verfassten Texte der 1. Reflexion der gewählten Reiseform und 2. Informations- und Erkenntnisweitergabe, die einen wichtigen Bestandteil der politischen Reisepraxis bilden.
Auch Wissenschaftler, die sich in den Teilgebieten der Tourismuswissenschaften engagieren, sollen über die besagte Internetplattform die Möglichkeit erhalten, Artikel zum untersuchten Phänomen zu veröffentlichen. So soll versucht werden, einen regen Austausch über Erkenntnisse im Feld in Gang zu setzen und damit eine gewisse Wissenschaftsdynamik zu erzeugen.
Zum Schluss sei hier noch bemerkt, dass sich beide „Beteiligungsgruppen“ personell oft überschneiden. So bewegen sich die Protagonisten zu einem großen Teil in einem Umfeld der Geisteswissenschaften, u.a. vielmals auch der Anthropologie, was dazu führt, dass Gespräche mit ihnen und die von ihnen produzierten Texte zu einer wissenschaftlichen Austauschdynamik während des Feldforschungsprozesses selbst führen können.

3. Datengewinnung im Feld

Über die Erkenntnisgewinnung unter Verwendung der modernen internetbasierten Kommunikationstechnologien hinaus wird es nötig sein, auch persönlich vor Ort zu recherchieren und klassische Feldforschungsaufenthalte u.a. in Form von teilnehmenden Beobachtungen in den betreffenden Regionen zu realisieren. Soweit aus finanzieller Sicht möglich, wird also auch versucht werden, an politischen Reisen teilzunehmen. Das bedeutet beispielsweise eine Teilnahme an einer Menschenrechtsbeobachtung in Chiapas oder auch an einer organisierten Politikreise nach Kuba2. Diese Reisen sollten möglichst in zeitlich aufeinanderfolgender Weise stattfinden, um die nötigen Reisebewegungen möglichst gering zu halten und damit Forschungskosten zu sparen. Deshalb wird vor dem Antritt der Feldforschungsphase genau festzulegen sein, welche Orte wann besucht werden und mit welchen Protagonisten vor Ort Kontakt aufgenommen wird. Hier tritt nun doch wieder das Internet als gewinnbringendes Hilfsmittel in Erscheinung, denn können solche Planungen aus der Distanz am besten durch eine Recherche über dieses realisiert werden. Vor Ort sollen je nach vorgefundener Situation verdeckte und offene Untersuchungen durchgeführt werden, wobei hier zu bemerken ist, das letztere Form der teilnehmenden Beobachtung der Offenheit und Zugänglichkeit des Forschungsvorhabens an sich geschuldet, bevorzugt Anwendung finden soll. Insgesamt wird der angestrebte Feldforschungsaufenthalt auf die Dauer von circa einem Jahr festgesetzt.


1Begriff nach Jana Binder aus: „Globality: Eine Ethnographie über Backpacker“ (2005); Synonym für Untersuchungsobjekte, Forschungsobjekte

2hier nur als Beispiele unter anderen möglichen Reisevorhaben zu verstehen